Montag, 21. Oktober 2013

We go Bomba

Sie sind bereits ein paar Stunden in der Luft. Plötzlich, ohne feindliches Einwirken, fängt Propeller 1 Feuer. Das ist schlecht, betrachtet man ihre Lage. Sie befinden sich irgendwo über den Pazifik, voll beladen mit tödlicher Bombenfracht, bestimmt für ein japanisches Ziel in Zentralsulawesi. 
 
Es ist der 3. Mai 1945. Lieutenant Etheridge, der Pilot des B-24 Liberty Bombers steht unter Druck. Mit den drei verbleibenden Motoren ist die Rückkehr zur Basis unmöglich. Der Sprit reicht nicht. Immerhin ist Land in Sicht. Doch die zerklüfteten Inselchen unter ihnen lassen lediglich eine Notwasserung zu. 

Etheridge handelt. Er lässt die Bomben und die Monition entfernen. Noch in der Luft wird das Flugzeug quasi nackig gemacht. Nur überlebenswichtige Ausrüstung bleibt an Bord, um die Crew bei der Notwasserung nicht zu gefährden. 

Nach zwei kleinen Überflügen findet Etheridge einen Landeplatz in einer flachen Südbucht der Togianinseln. Hier ist die Wasseroberfläche ruhig. 

Kurz bevor die Maschine aufsetzt, ertönt ein langer Alarmton. Hart schlägt das Flugzeug auf, schlittert ein ganzes Stück und kommt zum Stillstand. 

Die Besatzung verlässt das Flugzeug unverletzt in weniger als sechs Minuten. Der Bomber, ebenfalls weitgehend unversehrt, schwimmt noch eineinhalb Stunden, bis er untergeht. 

Er sinkt ab auf 24 Meter, wo er noch heute liegt. Lieutenant Etheridge und seine Crew ahnten vermutlich nicht, welch optimalen Tauchspot sie in dem kristallklaren, 30 Grad warmen Wasser, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs schufen. 


Robin, angehender Divemaster und Tauchguide, ist fasziniert von dem Wrack, genau wie ich. 13 Mal war er schon dort. Umso mehr freute er sich, den Abschlusstauchgang seines Divemasterkurses an seinem Lieblingstauchplatz machen zu können.


Er ist sehr routiniert, kennt den Tauchplatz in- und auswendig. Der Rumpf des Bombers liegt in nordwestlicher Richtung. Schemenhaft erscheinen die Konturen des Stahlvogels, während wir abtauchen. 

Nach und nach sehen wir immer mehr Details. Zwei Propeller sind vollständig erhalten. Flügel, Cockpit, Maschinengewehre, alles da. 

Bevölkert wird das künstliche Riff von jeder Menge Feuerfische. Hier sind sie besonders groß. Wir umrunden die B-24 einige Male, nach etwa 30 Minuten treten wir den Rückweg zur Oberfläche an.




Abends, nach dem Essen, ist Robin fällig. Genauer, Robin und Anna. Denn beide haben jetzt ihren Divemaster und dürfen selbstständig Tauchgruppen führen. 

Die Tradition der Tauchertaufe mag seltsam erscheinen, es führt aber kein Weg daran vorbei. Der englische Begriff "snorkel test" gibt mehr Aufschluss darüber, was sich dahinter verbirgt. 

Dem Aspiranten wird ein Gebräu durch einen Schnorchel eingeflößt. Seine Augen sind verbunden. Das Gebräu darf grundsätzlich alles enthalten. Wichtig ist, dass viel Alkohol drinne ist. 

Hinzukommt ein buntes Potpourri an Ekelzeug (Kaffeesatz, Seife, viel Salz). Es soll richtig widerwärtig sein. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. 

Unsere beiden zukünftigen Tauchprofis sitzen nebeneinander. Die verdunkelten Tauchmasken und die Schnorchel, an deren oberen Enden Trichter sind, sitzen perfekt. 

Die beiden werden von einer Meute schaulustiger Gäste mit etlichen Kameras umzingelt. Hinter ihnen stehen Emmi, ihre Ausbilderin, und Pasha, ihr iranischer Tauchkollege. Emmi und Pasha halten die Flaschen mit dem Gebräu bereit. 1, 2, 3 und rein mit dem Zeug. 

Ein Blitzlichtgewitter bricht los. Tapfer würgen Anna und Robin das Gesöff herunter. Gerne würde ich jetzt ihre Augen sehen. Die 1,5 Liter Flaschen sind nach kürzester Zeit leer. 

Ein bisschen haben sich die beiden bekleckert. Es sei ihnen verziehen, denn der Löwenanteil landete in ihren Bäuchen. Bei Robin jedoch nur kurz. Er muss den Edelstoff relativ postwendend im nächsten Gebüsch ablegen. 

Den Schnorcheltest haben er und Anna trotzdem bestanden, wie auch ihren Divemaster. 

Was wohl Lieutenant Etheridge von solchen Traditionen gehalten hätte?

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