Donnerstag, 14. November 2013

Sicherheit groß geschrieben


Heute möchte ich euch eine Geschichte von Robin Philippo erzählen:

Robin: "Lion Air (indonesische Low-Cost-Fluggesellschaft, Anm. d. Verfassers) ist echt krass! Neulich hat mir ein Gast erzählt, sie waren gerade im Landeanflug auf den Flughafen Gorontalo, als drei Kühe auf der Landebahn rumstanden. Eine Kuh ist nicht weggegangen, der Flieger hat die Landung durchgezogen und das Rindvieh umgemäht. Leider hatte das Fahrgestell des Flugzeugs ebenfalls unter dem Zusammenprall gelitten, weswegen das Flugzeug von der Landebahn abkam und ins Grüne schlitterte.
                                                                                       (Quelle: rimanews.com)
Daraufhin öffneten sich die Notausgänge, es entstand ein völliges Chaos und am nächsten Tag war in der örtlichen Zeitung das Foto eines Kuhkopfes im Fahrgestell des Fliegers zu sehen. Es gab leichtere Verletzungen, nichts tragisches. Was aber ist die interessante Frage dieser Geschichte?", fragt mich Robin und führt den Monolog fort: "Wie kommen, verflucht noch mal, diese Kühe auf die Landebahn des Flughafens?"
                                                                                              (Quelle: pasti.co.id)
Indem er eine weitere Geschichte auspackt, beantwortet Robin seine Frage selbst: "Mir ist mittlerweile völlig klar, es ist ein Kinderspiel für eine Kuh auf die Landebahn des Flughafens von Gorontalo zu gelangen. Mehrere Gründe: erstens ist der Flughafen winzig, zweitens liegt er zwischen lauter Kuhweiden, drittens ist der Zaun, der das Gelände umgibt löchrig und viertens sind die Securitys, wie soll ich sagen, irgendwie lustig unseriös. Das sage ich nicht einfach so daher, nein, ich habe das am eigenen Leib erfahren.

Neulich muss ich von Gorontalo nach Makassar fliegen. Meine Fähre kommt wie immer morgens in Gorontalo an. Der Flieger geht am nächsten Morgen um 6:30 Uhr. Ich muss mich also einen Tag und eine Nacht in Gorontalo herum drücken, da Fähre und Flieger natürlich nicht auf einander abgestimmt sind. Weil ich das Geld für ein Hotel sparen will und den Flughafen von Gorontalo noch nicht kenne, denke ich mir, ich fahre gegen 11/12 Uhr nachts mit einem Taxi zum Airport, penne dort auf einer Liege und fliege morgens entspannt weiter.

Gesagt, getan. Der Taxifahrer schaut zwar etwas seltsam, als ich mitten in der Nacht zu besagtem Ziel will. Er fährt mich aber anstandslos die 20 Kilometer raus zum Flughafen und braust direkt wieder davon, nachdem er mich dort abgesetzt hat. Da stehe ich nun vor einem langem, spärlich beleuchtetem Gebäude, mutterseelenallein. Um mich herum nichts als ein paar Wiesen, umsäumt von Palmen. Schemenhaft brennen ein paar Energiesparlampen im Flughafengebäude. Es wirkt groß von Außen.

Der Haupteingang, verschlossen. Drinnen, niemand. Der Plan, im Flughafen zu nächtigen, ist dahin. Eine Alternative muss her. Langsam erkunde ich mein Umfeld. Hinter der ersten Ecke, vor einer Wand, finde ich eine Bank. Perfekt zum pennen. Es ist heiß. Wir befinden uns  in den Tropen. Ich mache es mir auf der Bank bequem und schlafe sogar ein bisschen.

Ich weiß nicht, wie lange ich schlafe. Lange war es nicht. Plötzlich schrecke ich hoch, fühle mich sehr unwohl. Ich sehe mich umzingelt. Von einer Kuhherde. Im Halbkreis stehen die Rindviecher um meine Bank herum und glotzen mich aus ihren trägen Augen an. Warum weiß ich nicht genau, aber ich bekomme es mit der Angst zu tun. Vielleicht ist es ihre Zahl (es sind gefühlt echt viele), ihre Größe (sie sind gefühlt echt riesig) oder vielleicht die schrägen Umstände. Ich muss da weg. Vorsichtig greife ich meinen Rucksack, stehe langsam auf, schiebe mich Schutz suchend mit dem Rücken an der Wand entlang, die Kühe nicht aus den Augen lassend.

Nach kurzer Zeit erreiche ich eine Tür, einen Notausgang. Leicht panisch drücke ich dagegen. Die Tür springt auf. Ich quetsche mich hinein und schlage sie schnell zu. Sicherheit. Mein Atem beruhigt sich. Kein Kühe mehr. Doch wo bin ich gelandet? Ich schaue mich um. Es ist ein eng wirkender, länglich schlauchiger Raum, in sterilem Weiß gestrichen. Links von mir ist es etwas heller. Eine Glasvitrine mit Snacks und ein Kühlschrank mit Getränken beleuchten das Umfeld.
                                                                                        (Quelle: Robin Philippo)
Weiter hinten im Dunkeln sind zwei Check-In-Counter zu sehen, genau wie ein paar abgegriffene, mechanische Waagen. Ich bin mitten im "Flughafengebäude". Es wirkte von Außen, wie schon gesagt, deutlich größer als jetzt von Innen. Die Stimmung ist seltsam. Ich, alleine, im Flughafen, der gespenstisch leer ist, obwohl hier und da ein paar Lichter brennen. Es ist, als könne jeden Moment eine Wache um die Ecke biegen. Eine Kakerlake läuft mir über den Weg und eine Katze. Ganz alleine bin ich wohl nicht.

Ich wandere umher, erkunde mein Umfeld, was nicht sehr lange dauert. Es ist ein kleines Umfeld. Mir ist langweilig. Zum Schlafen bin ich zu aufgekratzt. Es wird Zeit, mein Situation zu dokumentieren und ein kleines Filmchen zu drehen. Und so spaziere ich durch den Wartesaal, den Check-In-Bereich, den Securitybereich, mit der Kamera in der Hand.
                                                                                        (Quelle: Robin Philippo)

Der Securitybereich mit seinen Metalldetektoren hat es mir besonders angetan. Ich stelle meine Kamera auf und mache einige Selbstporträts: ich checke mich selbst mit dem Metalldetektor; ich, auf dem Laufband des Röntgenapparates sitzend.
                                                                                       (Quelle: Robin Philippo)
                                                                                       (Quelle: Robin Philippo)
                                                                                      (Quelle: Robin Philippo)
Und auf einmal steht er da: Der Wachmann, in zivil, mit einer New York Yankees-Cap auf, wild gestikulierend, auf Bahasa schimpfend. Ich verstehe nix von dem, was der Mann von mir will. Er ist laut. Ich versuche die Situation zu beruhigen, in dem ich das Laufband des Röntgenapparates verlasse und meine drei Brocken Bahasa raus krame. Also grüße ich ihn höflich und wünsche ihm einen guten Abend (damit erschöpft sich mein Repertoire). Als er mitkriegt, dass ich seine Sprache benutze, hellen sich seine Gesichtszüge merklich auf, seine Stimme wird 20 Dezibel leiser und er bietet mir eine Zigarette an. Die Gemüter kühlen runter, während wir gemeinsam unter einem „no smoking-Schild“ qualmen.

Kurze Zeit später fragt er mich in zerbrochenem Englisch, was denn in meinem Rucksack sei und ob wir ihn uns nicht mal gemeinsam im Scanner anschauen möchten. Warum nicht? Es entwickelt sich ein lustiges Spiel daraus. Er teilt mir seine Vermutung mit, welche Gegenstände in dem Rucksack seien und ich sage dazu richtig oder falsch. Meistens liegt er daneben.
                                                                                       (Quelle: Robin Philippo)
Dann frage ich ihn, ob er nicht mal ein Foto von mir machen könne, während ich im Scanner liege und durchleuchtet werde. Grinsend sagt er, dass sei lebensgefährlich und ginge auf gar keinen Fall. Nach einer Minute bequatschen, habe ich ihn soweit, ohne Durchleuchten allerdings, denn das ist tatsächlich extrem ungesund. Der Sicherheitsmann bekommt meine Kamera und knipst lustig drauf los, dabei amüsiert er sich sehr. Ich mich auch.
                                                                                        (Quelle: Robin Philippo)
So vergeht die Zeit. Wir rauchen gemeinsam, irgendwann kommt ein Kollege von ihm. Beide sehen irgendwie ein bisschen bubihaft aus. Was soll´s? Es wird Morgen. Draußen vor dem Haupteingang stehen die ersten Passagiere. Fragende Gesichter wollen wissen, wie es sein könne, dass ich schon im Gebäude bin. Tja, denke ich mir, das ist eine lange Geschichte.
                                         Die Sicherheitsbeauftragten (Quelle: Robin Philippo)
Ich zünde mir eine weitere Kippe an. Daraufhin wird mein Freund der Securitymann ganz aufgeregt: „No more smoking now inside!“ Ich drücke die Ziese aus und meine: „Okay, no problem!“ Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt sind die Securitys wieder voll auf ihrem Posten.

Aber vielleicht verstehst du jetzt, warum es ein Leichtes für eine Kuh ist, auf die Landebahn vom Flughafen Gorontalo zu kommen.“

Montag, 21. Oktober 2013

We go Bomba

Sie sind bereits ein paar Stunden in der Luft. Plötzlich, ohne feindliches Einwirken, fängt Propeller 1 Feuer. Das ist schlecht, betrachtet man ihre Lage. Sie befinden sich irgendwo über den Pazifik, voll beladen mit tödlicher Bombenfracht, bestimmt für ein japanisches Ziel in Zentralsulawesi. 
 
Es ist der 3. Mai 1945. Lieutenant Etheridge, der Pilot des B-24 Liberty Bombers steht unter Druck. Mit den drei verbleibenden Motoren ist die Rückkehr zur Basis unmöglich. Der Sprit reicht nicht. Immerhin ist Land in Sicht. Doch die zerklüfteten Inselchen unter ihnen lassen lediglich eine Notwasserung zu. 

Etheridge handelt. Er lässt die Bomben und die Monition entfernen. Noch in der Luft wird das Flugzeug quasi nackig gemacht. Nur überlebenswichtige Ausrüstung bleibt an Bord, um die Crew bei der Notwasserung nicht zu gefährden. 

Nach zwei kleinen Überflügen findet Etheridge einen Landeplatz in einer flachen Südbucht der Togianinseln. Hier ist die Wasseroberfläche ruhig. 

Kurz bevor die Maschine aufsetzt, ertönt ein langer Alarmton. Hart schlägt das Flugzeug auf, schlittert ein ganzes Stück und kommt zum Stillstand. 

Die Besatzung verlässt das Flugzeug unverletzt in weniger als sechs Minuten. Der Bomber, ebenfalls weitgehend unversehrt, schwimmt noch eineinhalb Stunden, bis er untergeht. 

Er sinkt ab auf 24 Meter, wo er noch heute liegt. Lieutenant Etheridge und seine Crew ahnten vermutlich nicht, welch optimalen Tauchspot sie in dem kristallklaren, 30 Grad warmen Wasser, kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs schufen. 


Robin, angehender Divemaster und Tauchguide, ist fasziniert von dem Wrack, genau wie ich. 13 Mal war er schon dort. Umso mehr freute er sich, den Abschlusstauchgang seines Divemasterkurses an seinem Lieblingstauchplatz machen zu können.


Er ist sehr routiniert, kennt den Tauchplatz in- und auswendig. Der Rumpf des Bombers liegt in nordwestlicher Richtung. Schemenhaft erscheinen die Konturen des Stahlvogels, während wir abtauchen. 

Nach und nach sehen wir immer mehr Details. Zwei Propeller sind vollständig erhalten. Flügel, Cockpit, Maschinengewehre, alles da. 

Bevölkert wird das künstliche Riff von jeder Menge Feuerfische. Hier sind sie besonders groß. Wir umrunden die B-24 einige Male, nach etwa 30 Minuten treten wir den Rückweg zur Oberfläche an.




Abends, nach dem Essen, ist Robin fällig. Genauer, Robin und Anna. Denn beide haben jetzt ihren Divemaster und dürfen selbstständig Tauchgruppen führen. 

Die Tradition der Tauchertaufe mag seltsam erscheinen, es führt aber kein Weg daran vorbei. Der englische Begriff "snorkel test" gibt mehr Aufschluss darüber, was sich dahinter verbirgt. 

Dem Aspiranten wird ein Gebräu durch einen Schnorchel eingeflößt. Seine Augen sind verbunden. Das Gebräu darf grundsätzlich alles enthalten. Wichtig ist, dass viel Alkohol drinne ist. 

Hinzukommt ein buntes Potpourri an Ekelzeug (Kaffeesatz, Seife, viel Salz). Es soll richtig widerwärtig sein. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. 

Unsere beiden zukünftigen Tauchprofis sitzen nebeneinander. Die verdunkelten Tauchmasken und die Schnorchel, an deren oberen Enden Trichter sind, sitzen perfekt. 

Die beiden werden von einer Meute schaulustiger Gäste mit etlichen Kameras umzingelt. Hinter ihnen stehen Emmi, ihre Ausbilderin, und Pasha, ihr iranischer Tauchkollege. Emmi und Pasha halten die Flaschen mit dem Gebräu bereit. 1, 2, 3 und rein mit dem Zeug. 

Ein Blitzlichtgewitter bricht los. Tapfer würgen Anna und Robin das Gesöff herunter. Gerne würde ich jetzt ihre Augen sehen. Die 1,5 Liter Flaschen sind nach kürzester Zeit leer. 

Ein bisschen haben sich die beiden bekleckert. Es sei ihnen verziehen, denn der Löwenanteil landete in ihren Bäuchen. Bei Robin jedoch nur kurz. Er muss den Edelstoff relativ postwendend im nächsten Gebüsch ablegen. 

Den Schnorcheltest haben er und Anna trotzdem bestanden, wie auch ihren Divemaster. 

Was wohl Lieutenant Etheridge von solchen Traditionen gehalten hätte?

Dienstag, 17. September 2013

Under water ghosts

Jedem, der sich mal in Sulawesi auf die Suche nach Meeresgeistern machen will, empfehle ich, um seinen Blick zu schärfen, den Besuch eines kurzen, mehrmonatigen Trainingscamps. Es liegt an der spanische Mittelmehrküste, gleich hinter der französischen Grenze, auf der Halbinsel Cap Creus, da, wo die Pyrenäen das Mittelmeer küssen. 

Der Punkt ist, dort, in Cadaques, kann man seine Unterwasseraugen im Hinblick auf getarnte Unterwasserwesen schulen, ohne von der Reizüberflutung eines Korallenriffs abgelenkt zu werden. In erziehungswissenschaftlicher Fachsprache nennt man diesen Lernprozess eine klassische methodische Reihe, glaube ich. 

Das Camp und gute einheimische Guides in Sulawesi haben mir zu Aufnahmen von mysteriösen Geschöpfen verholfen. Seht, wenn ihr könnt:

Ich sehe was, was du nicht siehst...

Wolkendrache?

Da! Orang Utang Krabben Geist! 

Der Geist in der Flasche.

Geistershrimps. 

Laub im Riff?

Weißer Umhang, muss wohl ein Gespenst sein. 

Wo endet er? Wo beginnt er?

Sand, Sand und noch mehr Sand? Und?

Ich sehe zwei Zangen, die Krabbe wird nicht weit sein. 

Hoppe hoppe Reiter. 

Ach, wie niedlich. 

Laub im Sand?

Bunte Geister. 

World of Warcraft lässt grüßen!

Graf Zahn hat schlechte Laune.

The art of camouflage.

Geistertentakel. 

Ghostbuster. 

Laub frei schwebend?

Boxercrab, für mich mehr so Cheerleader. 

Der Alltime-Klassiker unter den Suchbildern. 

Fluffiger Geist. 

Ein Pferd, so groß wie der Nagel des kleine Fingers.

Mehr Laub im Riff. 

Geisterpfeifenfisch. 

Steinfisch: drauf treten = Geist werden.

Little ghost. 

Geisterfeilenfisch. 

Viel Spaß beim Suchen (und Finden). 

All shots taken at Togians, Bunaken and Lembeh Strait by Benja 2013






































Samstag, 24. August 2013

Warum nur? Warum?



7. August 2013

Liebes Tauchtagebuch, 
morgen ist es endlich soweit. Morgen werde ich die letzten 2 Tauchgänge meines Advanced Open Water Divers (AOWD) machen. Bald darf ich richtig tief tauchen. Ich, Huang Wu, bin dann in der Lage, bis zu 40 m tiefe Tauchgänge selbstständig durchzuführen. 

Lange, sehr lange habe ich auf diesen Tag gewartet. Seit ich vor 6 Tagen mit dem Tauchen begonnen habe, konnte ich an nichts anderes mehr denken. Ich habe dir ja schon erzählt, am Anfang, beim Open Water Diver (OWD), meinem ersten Tauchkurs, musste ich dauernd doofe Übungen machen. Das war sooo langweilig. Die Übungen waren wirklich einfach. Ich konnte sie alle sofort. Deshalb habe ich den Rat von dem malaiischen Tauchlehrer, Jimmy, auch nicht befolgt. 

Jimmy ist echt lahm. Er hat gesagt, ich solle meine Fotokamera erstmal über Wasser lassen und mich auf die Übungen konzentrieren. Dabei konnte ich die alle eh sofort. Von dem lasse ich mir gar nichts sagen, von diesem Inselaffen. Lieber mache ich Fotos, als das blöde Tarieren zu üben. Immer Luft rein, Luft raus aus dem Jacket..., Tiefe halten..., laaangweilig. 

Als ich nach 5 Tauchgängen meinen ersten Tauchschein hatte, war ich echt total glücklich. Dann kamen endlich die Specialty Dives des AOWD-Scheins. Nachttauchen, Tieftauchen, Wracktauchen. Da wurde es richtig interssant für mich. Endlich konnte ich meine ganze Erfahrung, die ich während den vorrangangenen 5 Tauchgängen gesammelt hatte, ausspielen. 

Jimmy, der gleichzeitig auch der Besitzer der Tauchschule Island Message Dive Centre auf Tioman ist, ermahnte mich zwar wieder mal ständig, ich solle näher bei der Gruppe bleiben, aber wie gesagt, der ist eh doof. 

Morgen sind meine letzten beiden AOWD-Tauchgänge. Einer davon heißt Underwater Naturalist. Dabei sollen wir die Unterwasserwelt und ihre Bewohner besser kennenlernen und einige von ihnen erkennen können. Ich weiß nicht, was der Quatsch soll. Schließlich sind die Viecher vor allem zum Essen da und nicht zum Anschauen. Wir werden sehen, wie das wird. Ich werde dir berichten. Bis morgen. 



8. August 2013

Liebes Tauchtagebuch,
ich bin wirklich stocksauer! Würde meine chinesische Tradition es nicht verbieten, ich würde schreiend durch die Straßen stürmen und Fensterscheiben einwerfen. 

Du glaubst nicht, was heute passiert ist! Meine AOWD-Lizenz wurde mir nicht erteilt. Ein arroganter Farang, eine Langnase, ist dafür verantwortlich. 

Aber halt, ich fange ganz von vorne an. Alles begann wie immer: 
Mein Kumpel Lee Chang und ich flachsten rum und bauten nebenbei unsere Ausrüstung zusammen. Kinderkram. Popeleinfach. Schon tausendmal gemacht. Noch an Land stellte Jimmy uns einen neuen Tauchlehrer für die letzten zwei Tauchgänge vor: "This is Ben. He's from Germany and also instructor."

Chang und ich schauten uns an. Uns beiden war sofort klar: der Typ ist ein echter Wichtigtuer. Wie er schon herum stolzierte und die Ausrüstung von allen begaffte. Ständig quatschte er rum, ständig drängelte er sich mit irgendwelchen Hinweisen in den Vordergrund. Er selbst kam sich mit seinem Reisejacket von Aqualung und seinem Suunto D4 am Arm ganz besonders toll vor. Ich flüsterte Chang zu: "Hoffentlich werden wir in Gruppen eingeteilt und müssen nicht zu zwölft tauchen. Hoffentlich landen wir dann nicht bei diesem Ben, sondern bei der entspannten Katja."

Als alle ihr Equipment montiert hatten, wurden wir tatsächlich in zwei Gruppen eingeteilt. Katja, die polnische Tauchlehrerin, mit der wir in den letzten Tagen tauchen waren, sollte die sechs OWD-Taucher führen. 
Das Unheil nahm seinen Lauf. Ben, die Langnase, bleich wie ein Stück Kreide, sollte die AOWD-Gruppe führen, also Chang, mich und noch vier weitere Tauchschüler. Die Vier waren ebenfalls Chinesen, wie Chang und ich. Doch sie kamen sich vor, als seien sie etwas Besseres, weil sie ein paar Brocken Englisch sprechen konnten. Außerdem meinten sie, sie wären die besseren Taucher und sagten, ich solle unter Wasser nicht machen, was ich wolle und ruhiger werden. Lügner und Angeber, sage ich. 

Der deutsche Tauchlehrer war von Anfang an nervig. Denn als er, kurz bevor es auf's Boot ging, meinte: "Please everbody, check your air before we go on the boat", dachte ich nur: komm, lass und einfach losfahren und nicht mehr lange rum labern. 

Wir luden unsere Ausrüstung auf das Boot von Captain Abu und nahmen Kurs auf den Spot Soyak, einer Miniinsel, umgeben von einem 18 m tiefen Riff. Dort angekommen, zogen wir unsere Geräte an. Ich schaute auf meinen Druckmesser und traute meinen Augen kaum. Anstatt der üblichen 200 Bar waren nur noch 60 Bar in meiner Flasche. Ich zeigte dies Katja. Sie stellte fest, dass sei viel zu wenig, so könne ich nicht mit tauchen. Offensichtlich hätte ich mir eine leere Flasche gegriffen, meinte sie, und keine volle mit einem Klebestreifen über dem Ventil. Ich fiel aus allen Wolken. Das Tauchen wurde mir untersagt. Du kannst dir vorstellen, liebes Tagebuch, wie enttäuscht und frustriert ich war. Warum lässt die Tauchschule leere Flaschen rumstehen? Ich musste Schnorcheln. Echt blöd!

Ich will nicht weiter davon erzählen. Ich erzähle lieber von dem zweiten Tauchgang. Nach dem Ersten fuhren wir zurück nach Genting. Machten dort Mittagspause, holten unsere Flaschen - diesmal prüfte ich, ob meine voll war - und beluden das Boot erneut. Wir fuhren zum Kingsreef oder so ähnlich, ist auch egal, sieht eh alles gleich aus da unten. 

Dort angekommen, spulte die 'tolle' Langnase Ben das Standardprogramm ab: Briefing auf Englisch (der Typ sprach kein Mandarin), alle rein in die Klamotten, Buddycheck, blablabla, langweilig. 

Als wir endlich abtauchten, prüfte ich erstmal meine Kamera, mit einem Selbstporträt. Die Kamera funktionierte perfekt. Sie macht echt top Bilder. Ich schoss gleich noch ein Foto von meinem Buddy Chang, ebenfalls cool. Kurz erschreckte ich mich, als mich etwas Hartes berührte, stellte dann aber beruhigt fest, es war bloß eine Koralle. So ein Fächerding. Das gab recht schnell nach und zerbarst. Egal. Wächst nach. 

Ich konzentrierte mich weiter auf meine Kamera. Sie ist faszinierend. Ohne sie würde mir Tauchen nur halb so viel Spaß machen. Als ich wieder von ihr aufblickte, war ich kurz etwas beunruhigt. Ich sah die Gruppe nicht mehr. Dann kam zum Glück irgend eine Taucherin und gab mir ein Zeichen. Welches? Ich bin mir nicht sicher. Sie führte mich zurück zu Chang. Ich freute mich so Chang zu sehen und schoss gleich ein Foto von ihm. Er machte eine Menge lustiger Posen. Mit ihm zusammen paddelte ich ordentlich durch die Gegend. Wir überholten allerlei Taucher, schwammen mal über ihnen, mal unter ihnen und dann wieder hinter ihnen.

Einmal, als mir mal wieder so eine hässliche Koralle in den Weg kam, hat mir doch tatsächlich ein anderer Taucher Luft in mein Jacket gelassen. Als ob ich das nicht selber könnte. 

Ich habe den Tauchgang echt genossen. Doch irgendwann kam ein Taucher auf mich zu (wie sich herausstellte, war es die Langnase) und gab mir ein seltsames Zeichen. Ich wusste nicht, was er von mir wollte. Dann griff er meinen Druckmesser. Er deutete darauf und gab mir das Zeichen zum Auftauchen. Aber warum? Ich hatte doch noch 60 Bar. Da fiel es mir wieder ein. Der Sicherheitsstop. Den halte ich eh für übertrieben. 

Chang, Ben und ich tauchten auf, irgendwo im offenen Meer. Die Langnase musste eine Boje setzen. 

Oben angekommen sagte er irgendwas Englisches, es klang wie: "Just twenty five minutes. No sign for low air!" 
Was auch immer er damit meinte. Ich fand, ich war gut getaucht. Außerdem hatte ich tolle Fotos, die das beweisen konnten. 

Wir wurden vom Boot abgeholt und fuhren nach Hause. Beim Entladen sah ich, wie die Langnase mit Jimmy tuschelte. Sie schauten zu mir herüber. Als wir die Ausrüstungen gespült hatten, kam Jimmy zu mir. Er sagte, er könne mir den AOWD-Schein nicht ausstellen. Ich hätte einen Tauchgang zu wenig, müsse an meiner Tarierung arbeiten und an meinem Verhalten unter Wasser. Er erwähnte, die Langnase hätte dies bestätigt. 

Was sagst du dazu, liebes Tagebuch? Kannst du jetzt verstehen, warum ich so wütend bin?

Unverschämte Langnase vorne rechts!

Koralle. War im Weg!

Unverschämte Langnase unter Wasser! Ich im Hintergrund mit meiner Kamera. 

Unverschämte Langnase tut so, als würde sie arbeiten. 

Ausrüstung von unverschämter Langnase!




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